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Milch bietet mehr!
01.04.2019

Dies war nicht nur das Motto des Workshops mit mehr als 60 Teilnehmern aus sieben Nationen, sondern auch eine Erkenntnis, die die Referenten eindrucksvoll untermauerten.

So verdeutlichte Prof. Dave Barbano von der Cornell University, USA, den Nutzen von Informationen aus unterschiedlichen Milchfettsäuremodellen für das Herdenmanagement der Milchkühe. Dieser junge Forschungsbereich nutzt die Nahinfrarotmessung mithilfe moderner Laborgeräte. Die Aussagen zur Stoffwechselgesundheit werden von physiologischen Zusammenhängen gestützt und mit Ergebnissen aus Praxisherden veranschaulichte Prof. Barbano, dass eine breite Praxisanwendung sinnvoll ist. Dies umso mehr, wenn nicht nur Tankmilchproben, sondern auch Einzeltiermilchproben insbesondere aus der Frühlaktation zur Verfügung stehen.

Dass innovative Methoden der Datenauswertung kombiniert mit vertieften Daten zur Beurteilung des Stoffwechsels einer Kuh, wie z.B. Milchfettsäuremuster, das bekannte Krankheitsbild der Ketose neu aufstellen können, wurde von Prof. Dörte Döpfer von der Madison University, USA, eindrucksvoll vermittelt. Ihre Arbeiten werfen ein völlig neues Licht auf diesen Krankheitskomplex und die Beschreibungen der individuell unterschiedlichen Kuhtypen im Umgang mit der negativen Energiebilanz zu Beginn einer Laktation ließen Praktiker, Berater, Tierarzt und Genetiker gleichermaßen aufhorchen, da diese sich mit Praxiserfahrungen decken. In seiner Moderation informierte Dr. Christian Baumgartner vom Milchprüfring Bayern, dass erste Ergebnisse dieser Arbeiten in Bayern in der praktischen Umsetzung sind und über das Innovationsprojekt Q Check (www.q-check.org) auch in vielen weiteren Bundesländern bald zur Verfügung stehen werden.

In ihrem zweiten Vortrag stellte Prof. Döpfer die gegenwärtigen Möglichkeiten in der Auswertung großer Datenmengen vor. Auswertungsprogramme werden mithilfe des maschinellen Lernens so trainiert, dass in Abhängigkeit der zur Verfügung stehenden Daten später die Auswertung gewählt wird, deren Ergebnis die höchste Sicherheit im Hinblick auf die nachgefragten Informationen liefert. Die Arbeiten von Prof. Döpfer repräsentieren das Potential, wenn derlei Möglichkeiten gepaart werden mit dem Wissen zu physiologischen Zusammenhängen einer Milchkuh.

Dr. Thomas Ettle von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Poing-Grub stellte am Beispiel des abgeschlossenen Innovationsprojektes optiKuh die Informationsgewinnung aus der Fütterungsforschung vor. Die in deutschen Versuchsanstalten erhobenen Daten sind eine unverzichtbare Referenz, um z.B. mit Informationen aus der Milch auf das Energiesaldo einer Kuh zu schließen.

Die Erwartungen aus Sicht der praktischen Beratung in der Umsetzung neuer Erkenntnisse aus der Wissenschaft stellte Dr. Christian Koch von der Lehr- und Versuchsanstalt für Viehhaltung, Hofgut Neumühle, vor. Sein Appell galt einer zielgerichteten Informationsbereitstellung, für die die beteiligten Institutionen im Sinne einer gewinnbringenden Unterstützung des Herdenmanagements zusammenarbeiten müssen.

Diese Zusammenarbeit wurde in der anschließenden Podiumsdiskussion von der Moderatorin, Dr. Kirsten Kemmerling vom Bundesministerium, aufgegriffen. So müssen die vielen zur Verfügung stehenden Daten zu nutzbringenden Informationen aggregiert werden, die dem Landwirt klare Handlungsempfehlungen geben. Letztlich ist das Ziel aller, die erfolgreiche Milchproduktion, die sich an der Gesundheit und dem Wohl der Tiere ausrichtet.

Link Vortrag von Prof. Dörte Döpfer zum Poor Metabolic Adaptation Syndrome:

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