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Wege zur Eutergesundheit
16.11.2018

Antibiotisches Trockenstellen kennt unterschiedliche Intensitäten – Einbindung ins Herdenmanagement wichtig

Die Eutergesundheit hat für Kuh und Milchviehhalter eine zentrale Bedeutung. Vor dem Hintergrund der kritischen Beurteilung des Antibiotika-Einsatzes in der Nutztierhaltung, werden die Behandlung von Euterentzündungen bei Milchkühen und neue Konzepte des Trockenstellens in Fachkreisen diskutiert.

Das antibiotische Trockenstellen der Kühe zählte lange zu den Standardmaßnahmen, um eine Neuinfektion des Euters während der Trockenstehphase zu verhindern. Um Antibiotika verantwortungsvoll anzuwenden, nur dann wenn notwendig, arbeiten Industrie und Forschung an neuen Verfahren und Konzepten für die Eutergesundheit. So könnte das selektive Trockenstellen eine Möglichkeit sein, den Antibiotika-Einsatz zu reduzieren, ohne dabei die Gesundheit der Kühe zu gefährden.

Dafür muss eine Reihe von Voraussetzungen erfüllt sein. So ist die Herdengesundheit an sich von großer Bedeutung, Sie muss durch ein umfassendes Tiergesundheitsmanagement, das Aspekte der Fütterung bis hin zur Vorbeuge von Krankheiten umfasst, gesichert werden. Auch gute Kenntnisse der Eutergesundheit und die regelmäßige Kontrolle der Kühe durch den Landwirt sind unverzichtbar. Zeigen bestimmte Indikatoren, wie beispielsweise ein hoher Zellgehalt der Milch, entzündliche Prozesse an oder ist eine Infektion z.B. erhöhte Erkrankungshäufigkeit in der Laktation nachgewiesen, sollte nach wie vor unter Antibiotikaschutz trocken gestellt werden, um schmerzhafte Mastitiden und Produktionsausfälle in der Folgelaktation zu vermeiden.

Bestandspezifisch statt universell

In den Niederlanden ist selektives Trockenstellen, d.h. nur noch über die erhöhten Zellzahlen oder andere diagnostische Methoden identifizierte Kühe des Bestandes werden antibiotisch trocken gestellt, seit einigen Jahren der Standard. Ein strikter Tiergesundheitsplan macht dieses selektive Vorgehen möglich. Der Anteil vorbeugender Impfungen in diesen Betrieben nimmt dabei zu. Notwendig ist, die Zahl von Mastitiden in Folgelaktationen gut zu beobachten. Werden jedoch bestimmte Infektionserreger wie S. aureus oder Sc. agalactiae nachgewiesen, kann auf das antibiotische Trockenstellen in keinem Fall verzichtet werden.

Selektives Trockenstellen setzt eine regelmäßige Erregerbestimmung (Leitkeimbestimmung) oder Tier- und Milchdiagnostik vor dem Trockenstellen voraus. Die im Rahmen der Milchkontrolle durch Landeskontrollverbände bereitgestellten Kennzahlen bieten eine gute Hilfestellung zur Herdenbeurteilung. Auch mit verschiedenen diagnostischen Tests kann der Landwirt sich direkt auf dem Betrieb orientieren. Insbesondere bei den infektiösen Ursachen kann der Tierarzt durch die Kenntnisse zu den Erregern sinnvolle Therapiekonzepte erstellen und den Erfolg von Sanierungsmaßnahmen einschätzen. Eine pauschale Anwendung von Antibiotika ohne regelmäßige Empfindlichkeitsprüfung der Erreger im Bestand entspricht nicht den Empfehlungen der veterinärmedizinischen Antibiotikaleitlinien.

 

Pressemitteilung vom Bundesverband für Tiergesundheit, www.bft-online.de

Stand 07.11.2018