Home > Projekte > Projektarchiv > milchQplus

milchQplus

Projekthintergründe

Viele Experten, darunter Tierärzte, Euter- und Tiergesundheitsdienste sowie Landeskontrollverbände, versuchen seit vielen Jahren, die Häufigkeit von Euterentzündungen zu senken. Bis jetzt ohne durchschlagenden Erfolg. Es fehlte ein einheitliches Gesamtkonzept, welches dem Landwirt/Betriebsleiter den Ist-Zustand der Eutergesundheit objektiv beschreibt, auf Schwachstellen im Betrieb hinweist und ein Benchmarking ermöglicht. Mit dem Projekt milchQplus hatte sich unter der Koordination des Deutschen Verbands für Leisungs- und Qualitätsprüfungen e.V. in Kooperation mit der Hochschule Hannover ein Netzwerk - bestehend aus den Milchkontrollverbänden, Milchprüfringen und Rechenzentren - der Entwicklung eines Gesamtkonzeptes verschrieben.

Die Milchkontrolle ist seit über 100 Jahren ein Garant für gesunde und leistungsfähige Tiere. Zwölf Kontrollverbände, zwei Milchprüfringe und ein Rechenzentrum sorgen deutschlandweit für eine unabhängige Analyse, eine einzigartige Logistik und eine vertrauensvolle Datenverarbeitung.
 

Projektziele
Bild 197_1662457092.jpg

Kern des Projekts war die Implementierung von sechs zusätzlichen Eutergesundheitskennzahlen in die MLP-Berichte. Im Sinne eines Frühwarnsystems verdeutlichen sie leicht verständlich und auf einen Blick den Eutergesundheitsstatus und dessen Entwicklung auf Herdenebene. Darüber hinaus verhelfen die objektiv berechneten Zahlen zu einer Versachlichung der Eutergesundheitsbewertung, denn gerade in Krisenzeiten werden betriebliche Entscheidungen zur Mastitisbekämpfung oftmals aus dem Bauch heraus getroffen. Die Kennzahlen ermöglichen eine Effektivitätskontrolle durchgeführter Optimierungsmaßnahmen und sind die Basis eines strategischen und betriebsindividuellen Eutergesundheitsmanagements.

100.000 Zellen/ml im Sinne der Prävention
Ein Orientierungswert von 100.000 Zellen/ml liegt der Berechnungsgrundlage aller Kennzahlen zugrunde, mit dem zwischen „Euter gesund“ und „Eutergesundheit gestört“ unterschieden wird. Diese Zellzahlgrenze soll und kann dabei nicht zur konkreten Einordnung des Einzeltiers dienen, vielmehr stellen die neuen Kennzahlen ein Werkzeug zur Überwachung der Herdengesundheit dar, um rechzeitig auf sich verändernde Eutergesundheitssituationen reagieren zu können. Zur überbetrieblichen Vergleichbarkeit werden zu jeder Kennzahl die Vergleichswerte der 25 % besten Betriebe des jeweiligen Bundeslandes angegeben, so dass jeder Milcherzeuger einschätzen kann, wo er mit seiner Herde steht.

Ergebnisse & Kennzahlen

Aus dem Projekt heraus wurde ein Eutergesundheitsbericht entwickelt, der monatlich mit dem MLP-Bericht an die milchviehaltenden Betriebe ausgegeben wird.

Dieser Bericht umfasst folgende Eutergesundheitskennzahlen:

  • Anteil eutergesunder Tiere
  • Neuinfektionsrate in der Laktation
  • Chronisch euterkranke Tiere mit schlechten Heilungsaussichten
  • Erstlaktierendenmastitisrate
  • Neuinfektionsrate in der Trockenperiode
  • Heilungsrate in der Trockenperiode

Weitere Informationen zu den Kennzahlen und Wissenswertes zur Eutergesundheit finden Sie in unserem E-Learning Eutergesundheit

Zusätzlich wurden Merkblätter und Checklisten rund um das Thema Eutergesundheit erstellt, die in der Infothek frei verfügbar sind.

Für die richtigen Schritte beim Melken und die Hygiene im Melkstand entstand zusammen mit Dr. Friederike Reinicke der Film "Effizient Melken".

Möglichkeiten der Zelldifferenzierung

Im Projekt milchQplus wurde auch die Frage nach der Möglichkeit der Nutzung einer Zelldifferenzierung im Rahmen der Milchkontrolle zur Beurteilung der Eutergesundheit nachgegangen. So wird in der Untersuchungsroutine auf Einzeltierebene der Gesamtgehalt somatischer Zellen (somatic cell count = SCC) je Milchprobe (SCC/ml) bestimmt. Der SCC setzt sich dabei aus verschiedenen Zelltypen (Epithelzellen, Makrophagen, polymorphkernige neutrophile Granulozyten (PMNs) und Lymphozyten) zusammen, die sich je nach Gesundheitszustand des Euters in ihren Anteilen unterscheiden. Allerdings erlaubte das seinerzeit überwiegend verwendete Analyseverfahren zur Bestimmung der Gesamtzellzahl im Hochdurchsatz, mit ca. 500-600 Proben/h keine Aussagen über die Anteile einzelner Zelltypen am SCC, so dass potentielle Informationen einzelner Zellfraktionen nicht genutzt werden konnten. Mit Hilfe der Zelldifferenzierungsmethode bestünde die Möglichkeit, den Anteil der verschiedenen Zelltypen an der Gesamtzellzahl einer Milchprobe zu erfassen und somit Rückschlüsse auf den wahrscheinlichen Krankheitsverlauf einer Mastitis zu ziehen.


War man im Rahmen der Antragsstellung von milchQplus noch davon ausgegangen, dass ein „Upgrade“ der bestehenden Analysegeräte zur Zelldifferenzierung im Hochdurchsatzverfahren ausreiche, wurde schnell klar, dass eine neue Gerätegeneration hierfür vonnöten ist. Aus diesem Grund wurde im Oktober 2012 ein internationaler Firmenaufruf veröffentlicht, um kompetente Firmen aus dem Bereich der Rohmilchroutineanalytik zur Entwicklung entsprechender Hochdurchsatzgeräte, die neben der Zellzahl auch die Zelldifferenzierung bestimmen können, zu motivieren. Mit der Firma Foss erfolgte schließlich eine Zusammenarbeit, um ein Messverfahren für eine Hochdurchsatzmethode zu etablieren.


Im Rahmen von milchQplus wurde die grundsätzliche Praxistauglichkeit und analytische Robustheit der Zelldifferenzierung mittels des eigens vom MPR Bayern angeschafften Accuri C5 Durchflusszytometers der Firma BD Biosiences, untersucht. Trotz eines geringen Durchsatzes des manuell zu bedienenden Geräts (ca. 40 Proben/h), sollte zunächst die Tauglichkeit des neuen Verfahrens unter den in Deutschland vorherrschenden Praxisbedienungen sichergestellt werden. Diese Versuche beinhalteten Untersuchungen zur Wiederholbarkeit der Messungen, der Probenstabilität sowie die Ermittlung des Einflusses von Lagerungstemperatur, Lagerungsdauer und des Konservierungsmittels. Um bei diesen Versuchen das gesamte Spektrum der deutschlandweit von den DLQ-Mitgliedern eingesetzten Konservierungsmittel (Azidiol, Natriumazid, Bronopol + Kathon) abzudecken, wurden im Vorfeld mit jedem Konservierungsmitteltyp, drei unabhängige Versuche durchgeführt.

MilchQplus konnte wichtige Hinweise über mögliche Einsatzgebiete der Zelldifferenzierung in der Milchkontrolle gewinnen. Allerdings bedurften Fragen wie „wie groß ist der Nutzen gegenüber der herkömmlichen Zellzahlbestimmung und wie können daraus Kennzahlen entwickelt werden“, einen ausreichend großen Satz von Routinedaten der die Praxisbedingungen möglichst gut abdeckt und der auch seltene Eutergesundheitsstörungen in einem hinreichend großen Umfang erfasst. Aus diesem Grund wurde ein von der deutschen Innovationspartnerschaft Agrar genehmigtes Folgeprojekt initiiert, das aufbauend auf den in milchQplus gewonnenen Erkenntnissen, Kennzahlen für die Diagnose und Prognose von Euterentzündungen entwickeln und die Markteinführung der Zelldifferenzierung im Hochdurchsatzverfahren umsetzen sollte. Weiteres erfahren Sie dazu im Projekt ZellDiX.

Projektpartner und Laufzeit

Die Koordination von milchQplus oblag dem DLQ und weiterer Projektpartner war:

  • Hochschule Hannover

 

Die Projektlaufzeit war vom 1. Mai 2012 bis 31. März 2016.

Gefördert durch Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

Bild 294